Blog

Chaos-Jahre, Teil II

IMG_2686Vielleicht habe ich mich selber ein wenig über meinen Mut erschrocken nach dem letzten Blogbeitrag. Ich war mir nicht sicher, ob und wie es weitergehen soll. In den vergangenen drei Monaten durfte ich wieder Vieles lernen, ich habe auch die eine oder andere altbekannte Schlaufe genommen… und irgendwo dazwischen bin ich tatsächlich 40 Jahre alt geworden 🙃. Nun sitze ich also hier, noch etwas müde, und versuche, einen Faden zu finden und diesen mit dem letzten zu verbinden. Ich springe einfach dort hin, wo ich bei dem ersten Teil der Chaos-Jahre aufgehört habe.

Wie kommt man also dahin, mit seinem (Frauen-)Körper Frieden zu schliessen, sorgsam und liebevoll mit sich umzugehen? Gibt es ein instinktives „Körperwissen“? Ja, daran glaube ich – wenn du allerdings so ein Diät-Junkie wie ich bist, wird es ein Weilchen dauern, bis du es wieder ausgegraben hast. Du kannst sicher sein, irgendwer wird immer (besser?) wissen, wie du dich ernähren oder welche Sportübungen du machen musst, damit du straff und sexy bist. Gerade das Thema Ernährung ist ja heutzutage eine heilige Kuh und ein ideales Feld für Selbstoptimierung (das war jetzt ironisch gemeint).

Als ich irgendwann beschloss, endgültig mit dem Diäthalten aufzuhören, fühlte ich mich befreit. Ich schmiss erstmal alle Diätbücher weg und fand das schon recht rebellisch. Keine Zäune mehr um mich herum, ich konnte hinlaufen, wohin ich wollte. Das fühlte sich ein paar Tage herrlich an, dann merkte ich, dass ich gar nicht wusste, was ich essen wollte. Was aber noch schlimmer war: ich wusste gar nicht mehr, wann ich wirklich hungrig war. In den Jahren hatte ich verlernt, meinem Körper zu vertrauen.  So kehrte ich dann irgendwann wieder zu einer Diät zurück, weil ich den Rahmen brauchte, der mir sagte, was ich wann essen sollte. Und schon war ich wieder im Hamsterrad drin. Jippii…

Der Weg aus der Spirale war lang und schwer, und ich lerne immer noch dazu. Meine wichtigste Botschaft hier ist diese: Mach keine Diät. Eine Diät ist die perfekte „Einstiegsdroge“ zur Essstörung. Eine Diät wird dir zwar helfen, ein paar Kilos zu verlieren, aber was machst du, wenn die Diät vorbei ist? Eine Diät hilft dir nicht dabei, mit deinem Körper liebevoll umzugehen. Eine Diät sagt dir, dass du jetzt besser Salat essen solltest, auch wenn du Lust auf ein Käsebrot hast. Eine Diät nimmt dir deine Stimme weg und weiss es immer besser. Eine Diät ist wie eine unfreundliche Person mit erhobenem Zeigefinger. Darüber könnte ich jetzt noch viel mehr sagen, aber das habe andere schon vor mir gemacht und das sehr gut. Wenn du dich mit der Thematik des emotionalen Essens vertieft auseinandersetzen möchtest, kann ich dir folgende Bücher empfehlen:

Geneen Roth, Essen als Ersatz – Wie man den Teufelskreis durchbricht

Maria Sanchez, Warum wir ohne Hunger essen – Die wahren Gründe für Essdrang und Übergewicht und von derselben Autorin Sehnsucht und Hunger – Heilung von emotionalem Essen

Beide Ladies lege ich dir wärmstens ans Herz! Sie sind beide ehemals Betroffene und ich mag besonders ihre wertschätzende, liebevolle Art. In allen Büchern findest du auch viele Übungen, die dir dabei helfen können, (wieder) mehr mit deinem Körper in Kontakt zu kommen.

Und was mache ich so, um nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen? Ich lerne gerade zu warten, bis ich hungrig bin. Nicht unbedingt, bis ich schon schlechte Laune habe und alles essen könnte, was ich vor die Nase kriege, aber ich übe, hungrig zu werden und dann zu essen, was ich gerne essen möchte.

Eine wichtige Lektion ist momentan auch, nicht aus Stress zu essen. Wenn ich bei der Arbeit bin, habe ich oft gedankenlos Schokolade gefuttert, um mich zu beruhigen oder wieder etwas Energie zu bekommen. Damit habe ich aufgehört. Der Stress ist zwar da und müde bin ich womöglich auch, aber ich war immer geknickt, wenn ich wie ferngesteuert und beiläufig so viel Süsses gegessen habe. Ich möchte achtsam essen, nicht im Stehen und nebenher.

Die Frage, die ich bei der Ernährung wichtig finde und mir immer wieder stelle, ist diese: Schränkt mich diese Ernährung(sweise) ein, oder macht sie mich frei? Finde deinen Weg, der so individuell ist wie du.

Und sonst so? Ich schaue Videos wie dieses hier:

Sadia (aka Pick Up Limes) ist eine wundervolle Frau, die nicht nur über Ernährung spricht, sondern auch Videos macht über (vegane) Ernährung, Minimalismus und das Reisen. Ihre Rezepte sind auch toll, alleine schon die Optik… und ihre Stimme ist wunderbar, ich höre ihr einfach gerne zu.

Schlussendlich geht es doch darum, mit sich durch alle Böden hindurch liebevoll, respektvoll, achtsam und sorgfältig umzugehen. Und das dürfen wir jeden Tag auf’s Neue üben. Du, ich, wir alle.

In dem Sinne wünsche ich dir einen wunderbaren Tag mit viel Freude im Herzen.  Bis zum nächsten Mal! ❤️

 

Advertisements

Zwischenstück

Sagte ich nicht, da würden Pfützen kommen? Seit ein paar Tagen stehe ich in einer, sie reicht mir gefühlt bis zu den Knöcheln, aber so wie es aussieht, hat mir mein Mann heute Morgen Gummistiefel gegeben… Kurz: Es wird wohl langsam besser.

Mit dem zweiten Teil der Chaos-Jahre musst du dich noch ein wenig gedulden, aber ich habe stattdessen ein Gedicht dabei, das ich vor ein paar Jahren geschrieben habe. Für dich, wenn du auch gerade in einer Pfütze stehst.

milchglas

tage
an
denen
das
meiste
bloss
zur
hälfte
gestalt
annimmt
und
alles
irgendwie
verwickelt
scheint
du
hast
das
gefühl
du
isst
nur
noch
karton
du schaust dir diese menschen an und denkst verdammt die sehen irgendwie alle so souverän oder zufrieden oder gelassen oder sonst wie aus und überhaupt wie machen die das bloss
du
rast
durch
deinen
tag
und
siehst
dir
dabei
zu
wie
du
nicht
bei
dir
bist
und
dauernd
gegen
wände
rennst
du
zerdenkst
alles
und
die
steine
in
deinem
kopf
fliegen
du
willst
alles
so
verdammt
gut
machen
du
würdest
gerne
ein
wenig
aus
deinem
leben
steigen
du
fragst
dich
wohin
deine
zuversicht
verschwunden
ist
und
wann
dir
wieder
einfällt
wozu
das
alles
gut
sein
soll

aber cara
bleib da hab geduld und vergiss das atmen nicht

In dem Sinne: Viel Saft und Kraft für den heutigen Tag, ob mit oder ohne nasse Füsse!

cropped-dsc_0789.jpg

 

Chaos-Jahre, Teil I

Nach „Embrace“ gestern konnte ich lange nicht einschlafen – ich war so berührt von all diesen tollen, starken, mutigen, kämpferischen, wunderschönen, echten Frauen in dieser Doku. Wie so oft im Leben kommen Dinge genau zum richtigen Zeitpunkt, so war es auch bei „Embrace“.

Wie soll es nun in diesem Blog weitergehen?

Ich habe es gestern kurz erwähnt, dass ich beim Schreiben dieses Textes etwas Mühe hatte – in der Regel geht mir Schreiben leicht von der Hand. Dieser Blogbeitrag fällt mir etwas schwer, weil er ziemlich persönlich ist.
Seit mehreren Tagen mache ich mir Gedanken, ob ich meine Geschichte hier teilen soll. Weil nach meiner Erfahrung die Herzen von anderen berührt werden, wenn man seine Wahrheit ausspricht, tue ich das nun. Hier ist meine Geschichte. Sie mag stellenweise absurd anmuten, aber sie ist wahr.

Mit 14 Jahren begann ich, zwanghaft zu essen. Rückblickend war das Essen mein Weg, mit dem sexuellen Missbrauch umzugehen, den ich erlebt hatte. Ja, jetzt ist es draussen und ja, ich schreibe darüber. Ich erwähne es, weil es prägend war und ist und mein Leben auf vielen Ebenen holpriger und weniger unbeschwert macht. Manchmal gibt es auch heute noch Tage, an denen ich denke, völlig verrückt zu sein, und ich meine das wortwörtlich. Ich erwähne es auch, weil es vielen passiert ist und immer noch passiert. Es ist wichtig, darüber zu sprechen. Es gibt Dinge, die im Innern vor sich hin modern und faulig werden, wenn man es für sich behält.

Sexueller Missbrauch hat viel hässliche Gesichter und viele Auswirkungen, die sich unterschiedlichst zeigen mögen. Bei mir kam das Thema Essen gehörig durcheinander (auch anderes, aber darum soll es hier nicht gehen). Da ich in einer Familie gross geworden bin, in der über Schwieriges und Schmerzhaftes nicht gesprochen wurde, wurde das Essen mein Ventil, um zu überleben. Ich begann irgendwann einfach, meinen Bauch mit Essen zu füllen. Auch dann, wenn ich gar nicht hungrig war.

Essen war Trost, Schutz, Halt, Betäubung, Wärme, kurzzeitiges Vergessen. Natürlich nahm ich zu. Ich war nicht mehr länger das dürre Mädchen mit den Fohlenbeinen. Um meinem zunehmenden Gewicht entgegen zu steuern, begann ich mit meiner ersten Diät. Das klappte auch wie geplant, aber irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich wieder aus dem rigiden Diätplan ausbrechen wollte. Nun musste ich mich für all die Entbehrungen – wochenlanges Essen von Knäckebrot, Hüttenkäse und Karotten -, entschädigen. Alles, was während der Diät verboten gewesen war, ass ich nun wieder, bloss in Mengen, die mein Körper nicht brauchte. Mein Essverhalten geriet langsam, aber unaufhörlich aus dem Ruder. Es folgten weitere Diäten. Trennkost, Fasten, Low carb – you name it. Das Ekelhafteste war eine abstruse Diät, bei der ich nur Ahornsirup mit Cayennepfeffer und Zitronensaft zu mir nehmen sollte. Ich versuchte, Appetitzügler zu kaufen, die mir der Apotheker nicht geben wollte. Damals war ich etwas genervt, heute bin ich ihm dankbar.

Meine Verzweiflung war mittlerweile ziemlich gross, ich suchte immer weiter nach Lösungen. Bulimie schien mir eine gute Idee zu sein; ich versuchte also, mir den Finger in den Hals zu stecken und zu erbrechen, aber mein Körper wollte nichts hergeben. Auch darüber bin ich heute froh.

Man könnte denken, so langsam hätte ich doch alle Modediäten und sonstige Ernährungsformen durch. Lass es mich gleich sagen, du ahnst es vielleicht schon, dem war nicht so. Ich war zu diesem Zeitpunkt etwa 26 Jahre alt, und ich zementierte meine Probleme nur noch mehr. Nun kam als nächstes die vegane Ernährung dran, später kam die Rohkost hinzu. Surprise, surprise: Man kann auch damit Fressanfälle haben.

Im Jahre 2008 machte ich eine Diät, bei der ich in einem Monat mehrere Kilos verlor. Zwar schämte ich mich jetzt nicht mehr, mich im Bikini zu zeigen, aber ich fühlte mich trotzdem nicht wirklich wohl in mir, in diesem Körper. Ausserdem war mir bewusst, dass ich mich nun diszipliniert an die Diätregeln halten musste, um nicht wieder dicker zu werden.

Nun war ich in meinen Dreissigern; die nächsten Jahre kämpfte ich weiter, fiel dauernd auf die Nase, rappelte mich wieder hoch. Ich war fortlaufend beschäftigt: Entweder hielt ich Diät, oder ich hatte Essanfälle. Es gab auch relativ stabile Phasen, aber ich traute mir nicht. Einkaufen war schwierig, weil ich mittlerweile so viele verschiedene Dätvorschriften kannte (die sich zum Teil widersprachen), dass ich manchmal wirklich ratlos vor den Regalen stand. Ich war es so müde, dieses Essen. Wie sollte ich mich ernähren, ich hatte doch alles durch. Sollte ich wieder mit dieser einen Diät beginnen, die erfolgreich gewesen war? Da war aber auch die Stimme in mir, die schon lange deutlich sagte, dass ich mit diesen verdammten Diäten aufhören müsse. Gab es nicht so etwas wie ein instinktives Wissen in meinem Körper? War das noch irgendwo? Wusste mein Körper nicht, was gut für ihn war, was er wirklich wollte?

Damit schliesse ich nun den ersten Teil der „Chaos-Jahre“. Im nächsten Teil soll es dann darum gehen, wie ich mich langsam, langsam aus diesem Kreislauf hinausbewegt habe.

Einen wunderbaren Sonntag dir da draussen!

Change of plans

Seit gestern sitze ich an meinem zweiten Blogbeitrag, feile an den Sätzen, ich tue mich irgendwie schwer diesmal. Zwischendurch schaue ich Videos auf Youtube, und plötzlich sehe ich den Trailer für „Embrace“, den Film, den ich unbedingt sehen will. Und hier bin ich nun, ich schaue mir gerade den Film an, ich weine, ich lache. Was für eine Bereicherung ist „Embrace“, was für ein Herzöffner, welche Wahrheiten da ausgesprochen werden. Und deshalb schreibe ich nun diesen kurzen Blogbeitrag, anstatt weiter an meinem ersten Text herumzuwerkeln. Ich verlinke den Trailer unten.

Wenn dir jetzt „Embrace“ überhaupt nichts sagt, dann hier noch ein paar Infos: Die Australierin Taryn Brumfitt hat einen Film gemacht mit dem Titel „Embrace – Why Do We Hate Our Bodies“. Sie geht dabei der Frage nach, weshalb Frauen weltweit ihren Körper ablehnen.

Update vom 5.9.2017: Leider kann man den Film nur noch schauen, wenn man sich irgendwo anmeldet. Im Juni ging’s noch ohne 🙁. Schade, der Film ist wirklich toll!

 

 

 

 

Ein Anfang

Vor einigen Wochen, im Frühling noch, tauchte im Halbschlaf die klare Ansage auf: So möchtest du nicht 40 werden, so nicht, nicht mit diesem Unbehagen deinem Körper gegenüber, diesem Groll auch. Die Botschaft war überdeutlich. Und wahr. Sie wollte gehört werden.

Zuerst dachte ich: Ja, wieder mal so ein Gedanke, über den ich nachdenken möchte, wirklich nachdenken möchte. Einen Gedanken, den ich nicht bloss zur Hälfte ernst nehmen sollte, um ihn dann halbverdaut irgendwohin in mir wegzulegen, wie ich das mit vielen Gedanken tue. So trug ich diese Botschaft ein paar Tage mit mir herum, nahm sie mit durch meine Arbeitstage, sie war ziemlich hartnäckig. Sie war da, wenn ich abends schlafen ging, sie sass mit mir am Tisch, wenn ich ass. Ich wusste, das ist eines meiner grossen Themen.

Irgendwann merkte ich, dass ich darüber gerne schreiben würde. Früher hatte ich viel geschrieben, noch Gedichte damals. Ich erzählte meinem Liebsten davon, dass ich mir überlegte, einen Blog zu verfassen, obwohl ich davon einerseits überhaupt keine Ahnung  hatte, und ich mich andererseits fragte, ob ich mit dem Thema „weibliches Selbstbild“ und all dem, was daran hängt, wirklich hinaus in die Welt gehen soll.

In Zeiten von Facebook und Dschungelcamp sind wir bereit, Vieles zu teilen; wir legen unser Leben in einer Transparenz für andere offen, die oft schon erschreckend und schmerzhaft absurd ist. Gleichzeitig ist der Umgangston untereinander rauer geworden. Aus meiner Zeit des Gedichteschreibens weiss ich noch, wie angreifbar und verletzlich ich mich mache, wenn ich meine Worte in die Öffentlichkeit hinaus schicke. Es wird immer Leute geben da draussen, die es nicht gut finden, was ich tue oder wie ich es tue, oder die mit meinen Worten nichts werden anfangen können. Das ist ok. Aber es wird auch immer Menschen geben, die sich berühren lassen werden, die spüren können, dass die Worte bei ihnen Heimat finden. Das wünsche ich mir jedenfalls.

Und so kommt es, dass ich nun doch schreibe, was mich bewegt, womit sich mein Kopf und Herz befassen, was mich umtreibt. Ja, ich lasse die Worte in die Welt hinaus. Mal sehen, was passiert. Ich bin gespannt.

Die Wochen gehen zackig vorbei, mein 40. Geburtstag rutscht heran. Ja, ich möchte anders über mich denken und fühlen lernen, über meinen Körper. Ich möchte lernen, mich mehr so zu sehen, wie andere mich sehen, denn das tun sie. Wieso sehen andere meine Schönheit, nur ich nicht? Wieso dieser Kampf, und hört er mal auf? Ich weiss, dass ich das bis zu meinem Geburtstag im Juli nicht schaffen werde. Angesichts der Tatsache, dass ich seit meinem 14. Lebensjahr damit beschäftigt bin, mit meinem Körper im Krieg zu stehen, ist das aber auch nicht wichtig. Ich habe Zeit. Ich weiss, dass sich jahrzehntelang ausgetrampelte Denk- und Glaubenspfade nicht innerhalb weniger Wochen ändern.

Und so soll es in diesem Blog darum gehen, wie man lernen kann, Frieden mit seinem Körper zu schliessen. Wie man an einen friedlicheren Ort gelangt, der nicht mehr von Zwängen und Vorschriften beherrscht ist. Wie man in seine eigene Stärke kommt. Ich möchte meine Wahrheit teilen, die nicht deine sein muss. Ich werde ehrlich sein, weil ich Klarheit mag. Es geht mir nicht darum, mein Innerstes nach aussen zu stülpen, ich möchte keine Nabelschau betreiben. Aber ich möchte darüber schreiben, was ich gelernt habe. Ich will über meine Kämpfe schreiben, weil sie echt sind. Ich zeige meine Narben, weil es sie gibt, sie mich menschlich machen.

Ich bin selber noch auf dem Weg, ich werde Fehler machen. Da wird die eine oder andere Pfütze sein. Vielleicht werde ich wieder einmal die Tatsache verfluchen, dass ich eben nie wie ein dünnbeiniges Rehlein aussehen werde, weil ich einfach einen anderen Körperbau habe. Es wird stellenweise schmerzhaft und unangenehm werden. Aber ich weiss, dass ich mich befreien möchte. Und ich weiss auch, dass unter all dem Schmerzhaften, das so viele von uns in sich tragen, auch viel Kraft und Schönheit, Stärke und Mut ist. Unter all dem Lärm, innen wie aussen, liegt viel Ruhe und Stille. Es ist die Mühe wert, immer.

Auch wenn ich glaube, dass vor allem Frauen mit ihrem Körper nicht unbedingt liebevoll umgehen, ihn aus den verschiedensten Gründen ablehnen, so schreibe ich natürlich nicht nur für euch, liebe Ladies, sondern für alle. Am Schluss geht es übergeordnet um Selbstliebe, um Vertrauen in sich selbst und unser Umfeld. Es geht darum, wie man den Mut und die Zuversicht behält in einer völlig verrückten Welt. Wie es ist, ein Mensch zu sein.

So bist du herzlich eingeladen, mit mir auf die Reise zu kommen. Ich freue mich, dass du da bist!